Wie viel Vermögen brauchst du, um von Kapitalerträgen zu leben?
So groß muss dein Depot sein, um langfristig 120.000 € netto pro Jahr auszuschütten
Viele Menschen arbeiten 40 Jahre lang – ohne jemals wirklich zu wissen, ob ihr Vermögen später reichen wird.
Sie sparen, investieren, bauen Rücklagen auf.
Und hoffen.
Aber Hoffnung ist keine Strategie.
Denn die eigentliche Frage lautet nicht: „Wie viel Rendite kann ich erzielen?“
Sondern: „Wie groß muss mein Vermögen sein, damit es langfristig zuverlässig Einkommen erzeugt?“
Nehmen wir ein konkretes Ziel: 120.000 € netto pro Jahr.
Das sind 10.000 € netto im Monat. Oder rund 328 € pro Tag.
Klingt machbar? Viele denken: „Mit 3 Millionen müsste das doch locker klappen.“
Tut es aber oft nicht. Und warum – das rechnen wir jetzt Schritt für Schritt durch.
Warum die meisten finanzielle Freiheit falsch berechnen
Der klassische Denkfehler sieht so aus:
„Mein Depot macht langfristig 6–7 % Rendite. Also reicht das doch.“
Klingt logisch. Ist aber zu kurz gedacht.
Denn: Rendite ist nicht gleich verfügbares Einkommen.
Wer dauerhaft von Kapitalerträgen leben möchte, muss gleichzeitig berücksichtigen:
- laufende Ausgaben
- Inflation
- Börsenschwankungen
- Steuern
- langfristige Stabilität des Depots
Und genau deshalb fällt der tatsächlich notwendige Kapitalbedarf fast immer höher aus, als die meisten erwarten.
Schritt 1: Das Ziel richtig definieren – Netto statt Wunschdenken
Bevor wir rechnen, muss klar sein: Was soll eigentlich erreicht werden?
Unser Ziel lautet: 120.000 € netto pro Jahr.
Das Wort netto ist entscheidend.
Dein Depot muss nämlich nicht einfach 120.000 € erwirtschaften. Es muss genug erwirtschaften, damit nach Steuern noch 120.000 € übrig bleiben.
Und genau hier wird Vermögensplanung bereits komplexer als gedacht.
Schritt 2: Wie viel Bruttoertrag muss dein Depot wirklich erwirtschaften?
In Deutschland unterliegen Kapitalerträge der Abgeltungssteuer – zusammen mit dem Solidaritätszuschlag ergibt sich eine Steuerbelastung von rund 26,375 % (ohne Kirchensteuer).
Rein mathematisch: 120.000 € ÷ 0,73625 = ca. 163.000 € brutto.
Aber halt – so einfach ist es in der Praxis nicht.
Denn nicht jede Auszahlung aus einem Depot wird gleich besteuert. Entscheidend ist, wie dein Vermögen strukturiert ist:
- Ausschüttungen oder Teilverkäufe? Bei Teilverkäufen ist oft nur der Gewinnanteil steuerpflichtig.
- ETF-Teilfreistellung? Viele Aktien-ETFs profitieren davon – ein Teil der Erträge bleibt steuerfrei.
- Sparer-Pauschbetrag, Vorabpauschalen, Depotstruktur – all das beeinflusst die tatsächliche Belastung.
Eine exakte Zahl wäre an dieser Stelle unseriös – jede Vermögenssituation ist individuell. Deshalb rechnen wir konservativ mit rund 163.000 € Bruttoertrag pro Jahr.
Warum konservativ? Weil finanzielle Freiheit nicht auf Optimismus beruhen sollte – sondern auf belastbaren Annahmen.
Schritt 3: Warum Kapitalmarktrisiken oft unterschätzt werden
Jetzt kommt ein Faktor, den viele komplett ausblenden:
Die Börse verläuft niemals linear.
Crashs, Rezessionen, lange Seitwärtsphasen – die kommen. Immer. Die Frage ist nur wann.
Besonders gefährlich wird es, wenn direkt zu Beginn der Entnahmephase ein Crash eintritt. Finanzexperten nennen das das Sequence of Returns Risk.
Stell dir zwei Anleger vor – beide erzielen über 30 Jahre dieselbe Durchschnittsrendite:
- Anleger A erlebt starke Börsenjahre am Anfang.
- Anleger B startet direkt mit einem Crash.
Obwohl beide dieselbe Durchschnittsrendite haben, kann Anleger B deutlich früher in finanzielle Schieflage geraten – weil er in schlechten Phasen mehr Anteile verkaufen muss.
Klingt technisch, hat aber sehr praktische Konsequenzen. Und genau deshalb kalkulieren erfahrene Vermögensplaner konservativer als reine Renditerechner.
Schritt 4: Inflation – der stille Vermögensfresser
Ein weiterer Faktor, der fast immer unterschätzt wird: Inflation.
120.000 € heute sind nicht 120.000 € in 20 Jahren.
Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2,5 % pro Jahr brauchst du in rund 20 Jahren bereits fast 196.000 € jährlich – nur um denselben Lebensstandard zu finanzieren wie heute.
Das bedeutet: Dein Depot darf nicht nur Geld ausschütten. Es muss gleichzeitig weiter wachsen.
Wer Inflation ignoriert, plant finanzielle Freiheit auf Basis sinkender Kaufkraft. Und das merkt man dann – leider erst, wenn es zu spät ist.
Schritt 5: Wie hoch darf die Entnahmerate deines Depots sein?
Jetzt kommen wir zur wichtigsten Kennzahl überhaupt: der Entnahmerate.
Sie beschreibt, wie viel Prozent deines Vermögens du jährlich entnehmen kannst, ohne dein Depot langfristig zu gefährden.
Viele sagen: „Mein Depot macht 7 % Rendite – also kann ich 7 % entnehmen.“ Das funktioniert langfristig aber meist nicht. Denn dein Vermögen muss gleichzeitig Inflation ausgleichen, Krisen überstehen und langfristig erhalten bleiben.
Historisch gelten ungefähr folgende Werte:
| Entnahmerate | Einschätzung |
| 2 % | sehr konservativ |
| 3 % | langfristig realistisch |
| 4 % | eher optimistisch |
| über 5 % | hohes Risiko |
Viele kennen die berühmte 4%-Regel – sie besagt vereinfacht: Wer jährlich 4 % entnimmt, hatte historisch gute Chancen, dass das Vermögen rund 30 Jahre hält.
Aber Vorsicht: Die 4%-Regel ist keine Garantie. Sie basiert auf historischen US-Daten und begrenzten Zeiträumen. Wer lebenslange finanzielle Freiheit plant, kalkuliert meist konservativer – mit rund 3 % Entnahmerate.
Schritt 6: Die eigentliche Berechnung – wie groß muss dein Depot sein?
Jetzt setzen wir alles zusammen. Unser konservativer Zielwert: 163.000 € Bruttoerträge pro Jahr.
Szenario 1 – sehr konservativ (2 % Entnahmerate): 163.000 € ÷ 0,02 = ca. 8.150.000 € Maximale Stabilität – für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen.
Szenario 2 – langfristig realistisch (3 % Entnahmerate): 163.000 € ÷ 0,03 = ca. 5.433.000 € Für die meisten langfristigen Anleger die realistischste Größenordnung – mit ausreichend Puffer für Inflation und Marktphasen.
Szenario 3 – optimistisch (4 % Entnahmerate): 163.000 € ÷ 0,04 = ca. 4.075.000 € Kann funktionieren – ist aber deutlich aggressiver kalkuliert. Gerade bei langen Zeiträumen steigt das Risiko.
Fazit: Was das für dich bedeutet
Die mathematische Antwort lautet: zwischen 4 und 8 Millionen Euro.
Die strategisch realistische Antwort für die meisten Anleger: etwa 5 bis 6 Millionen Euro – je nach Vermögensstruktur, Steuerlast, Entnahmestrategie und persönlichem Lebensstandard.
Klingt viel? Ist es auch. Aber: Über lange Zeiträume mit der richtigen Strategie ist es erreichbarer als die meisten denken.
Denn finanzielle Freiheit entsteht nicht durch Hoffnung. Sondern durch:
- eine intelligente Vermögensstruktur
- nachhaltiges Wachstum
- steuerliche Effizienz
- Inflationsschutz
- langfristige Entnahmestrategien
Genau dabei begleiten wir bei albfinanz Menschen aus Reutlingen und der Region. Nicht mit Schnellrezepten – sondern mit echter, langfristiger Strategie.
Du möchtest wissen, wo du heute stehst und wie dein Weg zur finanziellen Freiheit aussehen kann? Melde dich gerne bei uns: 07121 381 1801 oder direkt über albfinanz.de.
Dein Team der albfinanz aus Reutlingen
Häufige Fragen
Kann man mit 3 Millionen Euro von Kapitalerträgen leben? Ja – abhängig vom Lebensstandard. Für 120.000 € netto jährlich wird es bei konservativer Planung aber eher knapp.
Wie viel Geld brauche ich für 10.000 € passives Einkommen im Monat? Je nach Struktur und Risikobereitschaft realistisch zwischen 4 und 8 Millionen Euro.
Wie hoch sollte meine Entnahmerate sein? Viele langfristige Strategien arbeiten mit rund 3 %, um Inflation und Schwankungen abzufedern.
Reichen 5 Millionen Euro für finanzielle Freiheit? In vielen Fällen ja – entscheidend sind aber Lebensstandard, Steuerstruktur und Entnahmestrategie.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Alle Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen und sind nicht auf individuelle Situationen übertragbar. Bitte lass dich vor jeder Anlageentscheidung individuell beraten.


